Sonstiges

Montag, 6. März 2006

Voll die Matrix

Die Matrix ist ein Film, der durch besondere Special Effects besticht. Mir persönlich gefällt er ja nicht so gut, aber um persönliche Präferenzen geht es in diesem Beitrag nicht. Interessant ist die Handlung, die uns weismachen möchte, daß es zwei verschiedene Welten gibt, sodaß die Welt, die wir wahrnehmen, nur ein Teil der Realität ist, während uns die Parallelwelt in den allermeisten Fällen verborgen bleibt.

Nachdem dieser Film im Kino abgecasht hat, soweit es ein geschicktes Marketing verstand, entsprechend viele Konsumenten zum Gang ins Kino zu motivieren, wurde er - wie in derartigen Fällen üblich - als DVD aufgelegt, um so nocheinmal eine schöne Stange Geld zu lukrieren.

Tausende von Filmfans wirken diesem Ansinnen der Filmindustrie entgegen und beginnen, sobald sie einer DVD habhaft werden, diese auf ihren Computern zu kopieren. So auch die Matrix. Doch während normale Filme keinen wirklichen Widerstand entgegenzusetzen imstande sind, scheiterten Matrixkopierer bisher daran, eine Doppel-Layer-Original-DVD auf eine handelsübliche Single-Layer-DVD brennen zu müssen. Doch nun gibt es endlich Abhilfe. Endlich gibt es auch für den Heimgebrauch Double-Layer-DVD-Brenner.

Wieso, warum und weshalb, fragen Sie sich? Wenn Sie mitgedacht hätten, sollte es Ihnen wie Schuppen von den Augen fallen: Bei dem Brennvorgang auf Single-Layer-DVD geht natürlich ein wesentlicher Teil des Films verloren - die Parallelwelt. Matrix auf DVD kopiert hieß bisher, Sie erfahren wieder nur von unserer Welt, in der wir alle leben. Diesfalls macht es also wenig Sinn, den kopierten Film anzusehen, sie können daher die DVD unmittelbar nach dem Brennvorgang in ihrem Bene Rundordner entsorgen.

Nur eine Double-Layer-DVD kann beide Welten darstellen, und nun macht es auch endlich Sinn, die Matrix zu kopieren. Selbst dann, wenn Ihnen der Film - so wie mir - gar nicht gefällt.

Montag, 27. Februar 2006

Tschechisch für Fortgeschrittene

Während Freund Humanarystew sich in fremden Ländern beim Erlernen fremder Sprachen scheinbar etwas schwer tut und deshalb zweifelhafte Mitbringsel an seine Freunde verteilt, gelang es mir, in Prag einen schönen Satz zu erlernen, den Sie unbedingt vor einem Spiegel ausprobieren sollten, weil er neben dem lautmalerischen und rachenputzenden (und somit schleimlösenden) Effekt auch für wunderschöne Gesichtsmimiken sorgt, die es wert sind, von Ihnen im Selbststudium beobachtet zu werden. Dieser einzigartige Satz lautet:

Strč prst skrz krk.

Wer diesen Satz als Erster fehlerfrei aussprechen kann und die dazugehörige deutsche Übersetzung in den Kommentaren hinterläßt, der bekommt diesen auf einer Postkarte, welche auf der Vorderseite ein wunderschönes Prager Motiv ziert, von mir eigenhändig handschriftlich notiert zugesandt.

Mittwoch, 22. Februar 2006

Bewußtseinserweiterndes Internet

In jüngster Zeit erreichten mich zahlreiche Zuschriften meiner 122 Abonnenten, die im wesentlichen eine Frage beinhielten: Warum nur, sehr verehrter Herr Baron, warum nur sind Sie neuerdings bloß so doof? Bloß so? Ich ring, rung bzw. rang ein paar Sekunden damit, mit der Wahrheit herauszurücken, doch dann entschloß ich mich, Sie an dem bisher nur mir zugänglich gewesenen Hintergrundwissen teilhaben zu lassen. Doch lassen Sie mich von vorne beginnen.

Vor den Toren Wiens, also vor den Stadttoren, wenn es sie noch gäbe, wenn diese der selige Kaiser Franz Josef (Gott hab ihn selig) nicht abgerissen hätte, um dort eigenhändig die Wiener Ringstraße nebst ihrer bis heute liebevoll verhätschelten und gepflegten Prachtbauten zu errichten, vor diesen nunmehr nur mehr durch Imagination dar- und vorstellbaren Toren befand sich einst die Wiener Vorstadt. Selbige ist natürlich in der Zwischenzeit an den Wiener Stadtkern herangewachsen und mit diesem verschmolzen, ein Ereignis, das - wie Sie alle wissen - als allererste Kernfusion in die Geschichte des Universums eingegangen ist, sodaß sich Wien heute als eine Einheit von Stadt und Vorstadt präsentiert, was zur Folge hat, daß keine Sau die Chance hat, diesen historischen Prozeß nachzuvollziehen, gar zu erahnen, wenn diese (die Sau) bar jeder historischer Grundkenntnisse durch die schönen Gassen Wiens schlendert.

Um diesem Unkenntnisphänomen Abhilfe zu leisten, wurde in dieser ehemaligen Vorstadt Wiens ein Lokal errichtet, welches das Geschichtsbewußtsein schärfen soll. Dieses - eines meiner Lieblingsbeisl - hört daher auf den wohlfeilen und für Sie sicherlich überraschenden Namen Vorstadt.

Unweit dieser Kulturstätte - und damit komme ich zum eigentlichen Thema dieses Beitrages - befindet sich eines jener Unternehmen, die man wohl zu den legitimen Nachfolgern der leider zu früh verstorbenen Greißler zählen darf: Es nennt sich "United calling with flowers" und bedient die Produktpaletten Blumen, Internet, telephonieren, faxen und kopieren. Ein wundervoller Mix, der mich dazu veranlaßt, meine Weblogbeiträge umringt von allerlei exotischen und mutmaßlich legalen Gewächsen ausgerechnet in diesem Etablissement zu verfassen.



Und nun kommen wir zur Beantwortung der eingangs erwähnten an mich oftmals gerichteten Fragestellung. Sie sehen selbst, welches bewußtseinserweiternde Angebot der Betreiber des Betriebes offeriert. Versuchen es auch Sie. Dann entdecken selbst Sie, welches Potential in Ihren zukünftigen Weblogbeiträgen noch steckt.

By the Way: An ihrem Geburtstag dürfen Sie in diesem Laden 5 Minuten lang gratis telefonieren. Wer so wie ich nach dem Motto "Kosten derf's nix" lebt, der sollte auch dieses Angebot umgehend (soferne er umgehend Geburtstag hat) nutzen.

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An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Redaktion A&J auf das allerherzlichste bedanken.

Montag, 20. Februar 2006

Smoke on the Stage

Wer Herrn Humanarystew zu seinen Freunden zählen darf, der wird über kurz oder lang dazu genötigt, einem Alice Cooper Konzert beizuwohnen. Und so geschah es, daß am Samstag vormittag ein kleines Grüppchen Verrückter von Wien gen Westen zog, um dem angeblichen Meister bei einem gemeinsamen Konzert mit Deep Purple zu huldigen.

Schon auf der Fahrt zum angekündigten Ereignis des Jahres wurden Frau Idoru und meine Wenigkeit vom GRÖACFAZ (= größter Alice Cooper Fan aller Zeiten) genötigt, die von diesem höchstselbst und persönlich auf CD gebrannten Songs in der Reihenfolge ihrer späteren Live-Darbietung über uns ergehen zu lassen. Wir erfuhren sämtliche Details aus dem Leben des Alice Cooper (Heinz Prüller dürfte bei Herrn Humanarystew in die Schule gegangen sein) und studierten Refrains und Phrasen ein, welche uns durch Mitgrölen derselben während des Konzertes zu einem intensiveren Mitleben der Show animieren sollten.

In München angekommen erreichten wir unter der gemeinsamen Führung meiner beiden Begleiter (diesmal ohne den englischen Garten illegal zu durchqueren) die Olympiahalle, worauf ein Ritual einsetzte, welches bei Konzerten des Großmeisters üblich sein dürfte: Der Alice Cooper Look-a-like Wettbewerb. Innerhalb weniger Minuten wurden aus zwei netten harmlosen Jungs und einem herzigen Mädel finster geschminkte Gestalten, welche bereit waren, dem Fürsten der Finsternis entgegenzutreten. Wir betraten die heiligen Hallen, und während Herr Humanarystew zur Bühne eilte, um einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern, ging Frau Idoru für kleine Jungs. Während ich auf Idoru wartete, erspähten mich zwei waschechte Bayern. Sie zeigten mit ihren Fingern auf mich und riefen: "Jo sakra, schau amoi, do isch jo dau Älisch Cooper. Peace!" Ich erhob zwei Finger zum Zeichen des Friedensgrußes und versteckte mich hernach hinter einem Vorhang, schließlich wollte ich nicht gleich von jedem erkannt werden.

In der Arena angelangt, kämpften Idoru und ich uns zu Herrn Humanarystew durch und es ging los. Zunächst konnten wir unserem Patriotismus hemmungslos freien Lauf lassen, denn als Vorband zeigte die Wiener Band "She says" den Münchnern, wo die Musik zu Hause ist. Herr Humanarystew verliebte sich sofort in die attraktive Schlagzeugerin und rief die Sängerin bei ihrem Vornamen, worauf sie ihm ihr bezauberndes Lächeln schenkte.

Während der Umbaupause verliebte sich dafür eine resche Bayerin in Herrn Humanarystew, nachdem dieser jener zuvor einen Schluck Leitungswasser spendierte. Leitungswasser, welches übrigens direkt aus der Wasserleitung in Plastikbecher abgefüllt zu 3,50 Euro - man möchte fast sagen - verschenkt wurde.

Doch nun war es so weit, das Höllenspektakel begann. Der noch gräßlicher als wir geschminkte Alice Cooper betrat unter lautem Getöse die Bühne, Trockeneis quoll in die tobende Menge, eine infernale Show lehrte uns fast das Fürchten. Alice brüllte, stöhnte, ächzte, seine manisch-irren Augen glitzerten, seine Band lärmte so laut es ging. Alice Cooper gab sein Letztes (immerhin ist er ja auch nicht mehr der Jüngste), dazu verteilte er laufend Versatzstücke, welche er zuvor in der Show einzusetzen beliebte, als da wären eine abgetrennte Hand, juwelenbesetzte Halsketten sonder Zahl, eine Krücke, ein Stock, ein Haufen gefälschter Dollarnoten, ein Ledermantel und große Luftballons. Der Gitarrist der Band war nicht minder spendabel, er verteilte im Lauf des Abends etwa 200 Plektrons (Wikipedia meint, die Mehrzahl hiesse Plektren) und auch der Schlagzeuger ließ ich nicht lumpen, denn dieser verschenkte einige Sticks an die geifernde Menge. Herrn Humanarystew gelang es, einen Stick zu erhaschen, welcher sein weiteres Dasein im Reliquienschrein desselben fristen wird. Alice Cooper bastelte wie dazumals Frankenstein einen neuen Menschen ohne Kopf in einen Sarg, plötzlich kamen finstere Gestalten auf die Bühne, zerrten Herrn Cooper unter die Guilletine und enthaupteten den Bandleader. Alice Coopers Tochter, welche sich schon zuvor leicht bekleidet auf der Bühne räkelte, nahm den Kopf, setzte diesen auf den kopflosen Menschen im erwähnten Sarg und - welch Überraschung - der Meister war von den Toten wieder auferstanden. Herr Humanarystew ließ sich von Alice Coopers Tochter mit Blut bespritzen, verliebte sich noch schnell in sie und schon war die Show vorbei.

Höhepunkt des Abends war übrigens der Auftritt von Deep Purple. Ein Konzert der Sonderklasse, solide, professionell, ohne vordergündiges Theater und mit sämtlichen ihrer Hits, welcher Smoke on the Water heißt. Besondere Erwähnung verdient der Gitarrist Steve Morse, welcher von der optischen Erscheinung her die Idealbesetzung für Richard Wagners Siegfried wäre, welcher jedoch ein Solo auf die Bühne zauberte, welches in meinen Lebenslauf als "best guitar solo ever heard" eingehen wird.

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Hinweis: Versäumen Sie nicht, sich das Geschehen auch aus weiblicher Sicht betrachten zu lassen. Weiblich = langatmig (wie wir Männer vorurteilsfrei wissen), weshalb Frau Idoru einen sehr lesenswerten Fortsetzungsroman geschrieben hat:

kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part I
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part II
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part III
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part IV
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part V (möglicherweise)
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part VI (nicht sicher)
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part VII (hoffentlich)

Donnerstag, 16. Februar 2006

Mindestens Haltbar die Zweite

Meinen heutigen Beitrag finden Sie woanders: Ich habe nämlich die große Ehre, wiedereinmal etwas für das hervorragende und heute neu erschienene Magazin mindestens haltbar geschrieben haben zu dürfen. Getauft habe ich das Epos auf den Namen

Automobiles Liebeswerben

Wer seine Mami erschrecken möchte, der kann einen meiner älteren mindestens haltbar Beiträge auch als Podcast downloaden, auf CD brennen und selbiger zum Muttertag schenken. Der erlittene Schock wird zumindest dadurch gemildert, daß mein Machwerk von dem unvergleichlichen Schauspieler Victor Kautsch vorgetragen wird.

Verwählen bis zum Untergang - Podcast

Gute ... ähm ... Unterhaltung oder was immer.

Dienstag, 14. Februar 2006

Der Sommelier als Feind des Weins

Einst urlaubte ich auf einem alteingesessenen Weingut in der Toskana unweit von Siena, auf welchem versucht wurde, den Urlaubern nebst Versüßung des Aufenthaltes durch allerlei Annehmlichkeiten auch selbsterzeugten Wein anzudrehen. Zu diesem Behülfe wurde eines Tages eine Weinverkostung organisiert, die in den angenehm kühlen Kellern unterhalb der von der Augustsonne ausgeglühten Erde des Landgutes stattfand.

Um meine Geschmacksnerven nicht zu sehr von anderen lukullischen Genüssen beeinträchtigen zu lassen, verzichtete ich am Tag des Geschehens auf jegliche Mahlzeiten und erschien nüchtern wie zur Blutabnahme am Ort des Geschehens. Dort fand ich mich unter etwa 20 Gleichgesinnten wieder, welchen ebenso wie mir bereits der Sabber der Vorfreude im Gesicht stand. Wir nahmen Platz und es ging los. Zunächst wurde ein junger Weißwein geöffnet und reihum eingeschenkt. Rings um mich herum begann ein Nippen an den Gläsern. Weinkenner und Laien, die sich weinkennend gaben, nahmen einen kleinen Schluck aus dem Glas, zuzelten im Mund daran herum, schnalzten mit der Zunge, erzeugten dabei unappetitliche Grunz-, Gurgel- und Sauggeräusche und beförderten den eingespeichelten Schluck in einen Spucknapf, wo das nunmehr nicht mehr besonders vorteilhaft aussehende Testfluid umgehend mit dem Rest des noch im Glas befindlichen Weines verdünnt wurde.

Ich erstarrte. Was ich wahrnahm war nicht das, was ich erwartete. Ich kostete von meinem Glas, genoß den prickelnden Schluck Wein auf meiner Zunge und beförderte diesen durch die Speiseröhre abwärts in den Magen. "Lecker", dachte ich, betrachtete das noch ziemlich volle Glas für einige innige Momente und kippte dann den Rest in mich hinein, nicht ohne mich über den Abgang des edlen Gesöffs zu freuen.

Das Spiel, das wiederholte sich. Während Flasche um Flasche geöffnet wurde, während ringsherum ein Schmatzen, Zuzeln, ein Grunzen und Spucken, ein Plätschern weggeleerten Weines mir fast den Appetit verdarb, trank ich Glas um Glas immer qualitätsvoller werdender Weine. Nach 8 Flaschen exquisiten weissen Weines wurden 12 Flaschen roter Kostbarkeiten kredenzt, Kostbarkeiten welche jahrelang in Eichenfässern gelagert wurden und welche viel zu gut waren, um nach Ankostung weggeschüttet zu werden.

Höhepunkt war übrigens ein Chianti Classico Riserva, welcher 20 Jahre lang gelagert war, ein Kunstwerk für sich, ein Erlebnis, für das allein der lange Weg aus Wien sich lohnte. Ich trank davon gleich 3 Gläser, während das ungustiöse Schmatzen ringsherum ins Unermeßlichste sich steigerte.

Die Verkostung war vorbei. Ich erhob mich, wankte leicht und richtete meine etwas unsicheren Schritte in Richtung eines Lichtes, welches ich als Ausgang zu identifizieren glaube. Ich irrte nicht. Schnell fand ich mich oberhalb der Kellergewölbe wieder, wo die pralle Sonne sofort begann, meine spärlichen Haare zu bleichen. Es war einer jener Tage, die über 37°C im Schatten verfügten, mir wurde schwindlig, ich fiel zu Boden, die Welt war schwarz.

Wie ich in mein Bett gelangte ist bis heute nicht ganz geklärt. Fakt ist, leckeren, teuren und lange Jahre gelagerten Wein einzuspeicheln und glasweise wegzuschütten, das geht zu weit.

Rettet den Wein vor den Sommeliers! Auch im Sommer!

Donnerstag, 9. Februar 2006

Brennende Frage

Gestern Früh wurde ich durch eine irritierende Frage einer Freundin aus meiner Lethargie hochgerissen, die mich seither quält und nicht zu Ruhe kommern läßt. Es ist eine jener Fragen, die - wurden sie erst einmal gestellt - im Kopf herumgeistern, was sie dort so lange tun, bis selbige zur Zufriedenheit des Kopfinhabers beantwortet wurden.

Frank Zappa stellte einst eine dieser Fragen. Sie lautete:
Why does it hurt when I pee?

Während diese Frage durch Anhörung oder Lesung des entsprechenden Schlagertextes schnell und schlüssig klärbar war, harre ich noch einer Antwort auf die mich gestern in Ratlosigkeit gestürzt habende Frage der eingangs erwähnten Freundin.

Diese (die Frage, nicht die Freundin) lautet:
Geht am Sunset Boulevard die Sonne eigentlich nie auf?

Zweckdienliche Hinweise bitte in den Kommentaren zu hinterlassen.

Freitag, 3. Februar 2006

Bewerbungsgesprächscoaching

Vor kurzem kam ich in die für eine Freundin zweifelhafte Lage, diese zu coachen, auf Altdeutsch auch beraten genannt. Diese jene Freundin hatte nämlich soeben ihre universitäre Ausbildung nach der für österreichische Verhältnisse kurzen Zeit von 8 Jahren abgeschlossen, und nun beschloß sie, nach all der auf der Wirtschaftsuniversität zu Wien verbrachten Freizeit und kurz vor dem Eintritt in die Frühpension dem aktiven Arbeitsleben einen kurzen Lebensabschnitt zu widmen, weshalb sie sich bei einem Marketingunternehmen bewarb, welches sie unerwarteterweise umgehend kontaktierte und zu einem Bewerbungsgespräch einlud.

Nun stand sie vor dem Dilemma, sich zwar die bei derartigen gegenseitigen Beschnupperungen üblichen Standardfragen besorgt zu haben, doch fand sie keine Antworten auf dieselben, sodaß sie sich hilfesuchend an mich wandte und mich um Rat bat. Ich begab mich daher zu einer Unterredung zu ihr, genoß ein Schälchen parfumierten Tees und versuchte währenddessen, mich an meine eigenen Bewerbungen zu erinnern, die im Regelfall recht positiv für die Arbeitgeber ausgingen (die ersparten sich nämlich, mir ein Gehalt zahlen zu müssen). Ich räusperte mich, rückte meine Resthaare zurecht und begann zu dozieren.

Das wichtigste ist der Beginn, belehrte ich sie. Du betrittst um 8 Uhr Morgens den Raum des Human Ressources Fritzen und wirst zunächst gefragt werden, ob du eine Tasse Kaffee haben möchtest. Ein derartiges Angebot abzulehnen wäre äußerst unklug weil unhöflich. Doch hier verbirgt sich gleich der erste Stolperstein. Um zu zeigen, daß du zwar höflich aber dennoch ein Individualist bist, solltest du fragen, ob du stattdessen ein Bier haben dürftest, so wie du es ja in der Früh gewohnt bist.

Meine Freundin lächelte zustimmend. Großartig, das wird ihm gefallen. Vielleicht trinkt er ja eines mit, das lockert die Situation auf, dann biete ich ihm gleich das Du-Wort an. Ich nickte. Nimm einen kräftigen Schluck aus der Flasche, wisch dir mit dem Ärmel den Schaum aus deinem Damenbart und harre der Fragen. Die erste wird lauten "Warum haben Sie überhaupt studiert?" Du solltest einen mitleidsvollen Blick aufsetzen und dann erzählen, daß dein Vater ein versoffener Prolet war, der seine mit 12 Frauen gezeugten 9 Kinder gehaßt und verachtet hat. Du hast dich dein Leben lang benachteiligt gefühlt, sodaß du eines Tages aufgestanden bist, mit der Faust auf den Tisch geschlagen hast und gebrüllt hast "Papa du Trottel, dir zeig ich's. Ich werde jetzt Magistra!" So tatest du, schnürtest dein Bündel und gingest in die große fremde Stadt.

"Verständlich, und warum mußte es dann ein Wirtschaftsstudium werden?" wird die nächste Frage sein. Hier wäre dem Personalrecruiter zu erzählen, daß du dich das bei deinem Eintreffen in der großen fremden Stadt auch gefragt hast, dir dann aber deine Kindheit eingefallen ist, die du in deinem Kinderzimmer verbracht hast. In dieses sei regelmäßig deine Mutter eingedrungen, hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und ausgerufen "Was für eine Wirtschaft!" Du dachtest, warum nicht gleich das studieren, was schon als Kind dein liebstes Hobby war?

Der Personaleinsteller wird sehr zufrieden mit dir sein und nun Persönliches erfahren wollen. "Nennen Sie drei Ihrer negativen Eigenschaften." Hier lohnt es sich, ehrlich zu sein, also wäre hier folgende Antwort angebracht: "Ich habe beschlossen, ganz ehrlich zu Ihnen zu sein, daher sage ich Ihnen - bevor ich irgendwelche negativen Eigenschaften erfinde - lieber gleich, daß ich keine negativen Eigenschaften habe." Selbstbewußtsein und absolute Offenheit wird schließlich belohnt.

Zum Abschluß des Gespräches wird dir die Frage gestellt werden, wo du dich nach fünf Jahren im Unternehmen wiederfinden willst. Du bist jung, du siehst gut aus, du dringst in eine Männerdomäne ein. Stelle dem Human Ressourcer in Aussicht, der Erste zu sein, mit dem du dich einlassen würdest. Sag ihm, daß du vorhast, in einigen Jahren Abteilungsleiterin zu werden, weshalb du dich kreuz und quer durch's gesamte Haus hochschlafen wirst. Paß nur auf dabei, denn wenn du schlecht im Bett bist könnte daraus ein Runterschlafen werden, was dich zurück zum Start werfen, also zu einer einfachen Angestellten machen würde.


Meine Freundin bedankte sich überglücklich für die wertvollen Ratschläge und trug die ausgetrunkene Teetasse in die Küche. Ich bedankte mich für's zuhören und verabschiedete mich. Heute um 8 Uhr hat meine Freundin ihr Bewerbungsgespräch. Ich denke Sie bekommt den Job.

Mittwoch, 1. Februar 2006

Familienzusammenführung

Gezeichnet von des mühevollen Arbeitslebens Mühen kam ich jüngst nach Hause, um den Tag Revue passieren, ausklingen und ausschwingen zu lassen. Ich wagte es bis zu diesem Zeitpunkt nicht, den Tag vor dem Abend zu loben, doch nun, wo der Tag den Abend erreicht hatte, war es soweit. Ich lobte den Tag und trottete hernach müden Schrittes in die Küche, um einen handaufgegossenen, aus handverlesenen röstfrischen Bohnen gewonnenen und fair getradeten Filterkaffee zu brauen.

Danach drapierte ich Kaffeekanne, Ikea-Kaffeehäferl (von den deutschen Bundesnachbarn auch Ikea-Kaffeetasse genannt), Ikea-Kaffeelöffel, Ikea-Zuckerstreuer und frische Milch auf meinen Gabentisch. Nun, nicht ganz. Frische Milch war nämlich im ganzen Kühlschrank trotz aufwendiger und intensiver Suche (die unter anderem darin bestand, verschimmeltes, weil nutzloses Gemüse derart beiseite zu schieben, daß ein Blick in vermutete dahinterliegende Hohlräume ermöglicht wurde) nicht aufzufinden, weshalb ich innehielt und mich einer angebrochenen Flasche Kondensmilch entsann, die seit einiger Zeit ein unbeachtetes Dasein fristete. Ich fischte selbige unter der Abwasch hervor, wo sie ihre letzten Monate zusammen mit Putzmittelflaschen verbrachte und gesellte sie zu den bereits am Tisch plazierten Objekten, wo sich das von einer 2 cm dicken Staubschicht befreite Objekt der Begierde augenschmeichelnd ins bereits bestehende Arrangement integrierte (Abbildung 1).

Zufrieden mit dem Leben und mit mir, jedoch nicht mit den Hunden dieser Stadt, goß ich mir den dampfenden Kaffee in mein Ikea-Häferl (von den deutschen Bundesnachbarn auch Ikea-Tasse genannt), zuckerte nach Geschmack, ergriff die Milch und stockte, denn die Milch, die bockte.

1 2

An dieser Stelle möchte ich auf Thomas Toast, den unkaputtbaren, unschimmelbaren Toast des von mir sehr geschätzten Herrn Humanarystew verweisen, welcher mir angesichts des atemberaubenden Schauspiels, welches mir meine Kondensmilch bot (siehe Abbildung 2), unvermittelt in den Sinn schoß. Hohlraumsausen machte sich breit, doch dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Thomas Toast hat eine Schwester!
And here she is:



Herr Humanarystew, sollte Thomas noch unter Ihnen weilen und sollten Sie an einer Familienzusammenführung interessiert sein, so bin ich bereit, Constanze gegen eine Alice Cooper-Konzert-DVD einzutauschen.

Freitag, 27. Januar 2006

Vorbild für die Jugend

Anläßlich des heutigen 250. Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart, dem größten Komponisten aller Zeiten (GRÖKAZ) - Mozart wäre in Stöckelschuhen etwa 2,34 m hoch gewesen - möchte ich auf die Vorbildfunktion hinweisen, die Idole, die als Vertreter der holden, hehren und reinen Kunst, der Kunst der ernsten Musik gelten, auf unsere Jugend auszuüben imstande sind.

Ernsthafte und seriöse Künstler eines Kalibers wie Mozart sind Zeit ihres Lebens durch einen rechtschaffenen Lebenswandel aufgefallen. Mozart hat nie den Pfad der Tugend verlassen (übrigens auch jenen der Jugend nicht, denn Mozart starb direkt am Ende des Jugendpfades), nie fiel er durch Exzesse oder unwirsche Frechheiten auf. Stets war er ein demutsvoller Diener seiner Auftraggeber, dazu gottesfürchtig, bescheiden, höflich, treu und nett. Der ideale Schwiegersohn also, wie so manch verzweifelte Mutter ihn sich für ihre Tochter so sehr gewünscht hätte.

Mozart war also die Idealfigur einer geglückten Erziehung und trotzdem er - als ob dieses Verkörpern eines Ideals nicht schon allein genügte, um ihn als strahlendes Vorzeigesozialisationsbeispiel der Welt zu präsentieren - Welterfolg auf Welterfolg schrieb, blieb er stets der unkomplizierte Kumpel von Nebenan. Damit nicht genug, verdingte Wolferl, wie ich diesen großartigen Musiker liebevoll zu nennen pflege, sich nebenberuflich auch als Pädagoge, der durch erzieherisch wertvolle Texte den von ihrem Nachwuchs geplagten Müttern Werkzeuge in die Hand gab, mit denen diese ihre Sprößlinge auf den rechten Weg zurückzubringen imstande waren, indem sie diesen jene vor dem Zu-Bette-gehen vortrugen. Ein exemplarisches Beispiel hierfür, das auch mir mindestens einmal wöchentlich vorgesungen wurde und das mit dazu beigetragen hat, mich zu dem Menschen zu machen, der ich heute bin, möchte ich hier präsentieren:

Bona nox! Bist a rechta Ochs;
Bona Notte, liebe Lotte;
Bonne Nuit, pfui, pfui;
Good night, good night, heut müßma noch weit;
Gute Nacht, gute Nacht, scheiß ins Bett daß' kracht;
Gute Nacht, schlaf fei' g'sund und reck' den Arsch zum Mund.
(Wien, 2. September 1788)

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RokkerMur - 26. Januar, 22:38
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Bei der Gelegenheit: kann mir mal jemand Dativ und...
blogger.de:esperanza.sueno.realidad - 6. September, 16:29
Stimmt, ...
eigentlich würde mein Kommentar reichen ...
sokrates2005 - 12. Januar, 15:38

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