Montag, 20. Februar 2006

Smoke on the Stage

Wer Herrn Humanarystew zu seinen Freunden zählen darf, der wird über kurz oder lang dazu genötigt, einem Alice Cooper Konzert beizuwohnen. Und so geschah es, daß am Samstag vormittag ein kleines Grüppchen Verrückter von Wien gen Westen zog, um dem angeblichen Meister bei einem gemeinsamen Konzert mit Deep Purple zu huldigen.

Schon auf der Fahrt zum angekündigten Ereignis des Jahres wurden Frau Idoru und meine Wenigkeit vom GRÖACFAZ (= größter Alice Cooper Fan aller Zeiten) genötigt, die von diesem höchstselbst und persönlich auf CD gebrannten Songs in der Reihenfolge ihrer späteren Live-Darbietung über uns ergehen zu lassen. Wir erfuhren sämtliche Details aus dem Leben des Alice Cooper (Heinz Prüller dürfte bei Herrn Humanarystew in die Schule gegangen sein) und studierten Refrains und Phrasen ein, welche uns durch Mitgrölen derselben während des Konzertes zu einem intensiveren Mitleben der Show animieren sollten.

In München angekommen erreichten wir unter der gemeinsamen Führung meiner beiden Begleiter (diesmal ohne den englischen Garten illegal zu durchqueren) die Olympiahalle, worauf ein Ritual einsetzte, welches bei Konzerten des Großmeisters üblich sein dürfte: Der Alice Cooper Look-a-like Wettbewerb. Innerhalb weniger Minuten wurden aus zwei netten harmlosen Jungs und einem herzigen Mädel finster geschminkte Gestalten, welche bereit waren, dem Fürsten der Finsternis entgegenzutreten. Wir betraten die heiligen Hallen, und während Herr Humanarystew zur Bühne eilte, um einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern, ging Frau Idoru für kleine Jungs. Während ich auf Idoru wartete, erspähten mich zwei waschechte Bayern. Sie zeigten mit ihren Fingern auf mich und riefen: "Jo sakra, schau amoi, do isch jo dau Älisch Cooper. Peace!" Ich erhob zwei Finger zum Zeichen des Friedensgrußes und versteckte mich hernach hinter einem Vorhang, schließlich wollte ich nicht gleich von jedem erkannt werden.

In der Arena angelangt, kämpften Idoru und ich uns zu Herrn Humanarystew durch und es ging los. Zunächst konnten wir unserem Patriotismus hemmungslos freien Lauf lassen, denn als Vorband zeigte die Wiener Band "She says" den Münchnern, wo die Musik zu Hause ist. Herr Humanarystew verliebte sich sofort in die attraktive Schlagzeugerin und rief die Sängerin bei ihrem Vornamen, worauf sie ihm ihr bezauberndes Lächeln schenkte.

Während der Umbaupause verliebte sich dafür eine resche Bayerin in Herrn Humanarystew, nachdem dieser jener zuvor einen Schluck Leitungswasser spendierte. Leitungswasser, welches übrigens direkt aus der Wasserleitung in Plastikbecher abgefüllt zu 3,50 Euro - man möchte fast sagen - verschenkt wurde.

Doch nun war es so weit, das Höllenspektakel begann. Der noch gräßlicher als wir geschminkte Alice Cooper betrat unter lautem Getöse die Bühne, Trockeneis quoll in die tobende Menge, eine infernale Show lehrte uns fast das Fürchten. Alice brüllte, stöhnte, ächzte, seine manisch-irren Augen glitzerten, seine Band lärmte so laut es ging. Alice Cooper gab sein Letztes (immerhin ist er ja auch nicht mehr der Jüngste), dazu verteilte er laufend Versatzstücke, welche er zuvor in der Show einzusetzen beliebte, als da wären eine abgetrennte Hand, juwelenbesetzte Halsketten sonder Zahl, eine Krücke, ein Stock, ein Haufen gefälschter Dollarnoten, ein Ledermantel und große Luftballons. Der Gitarrist der Band war nicht minder spendabel, er verteilte im Lauf des Abends etwa 200 Plektrons (Wikipedia meint, die Mehrzahl hiesse Plektren) und auch der Schlagzeuger ließ ich nicht lumpen, denn dieser verschenkte einige Sticks an die geifernde Menge. Herrn Humanarystew gelang es, einen Stick zu erhaschen, welcher sein weiteres Dasein im Reliquienschrein desselben fristen wird. Alice Cooper bastelte wie dazumals Frankenstein einen neuen Menschen ohne Kopf in einen Sarg, plötzlich kamen finstere Gestalten auf die Bühne, zerrten Herrn Cooper unter die Guilletine und enthaupteten den Bandleader. Alice Coopers Tochter, welche sich schon zuvor leicht bekleidet auf der Bühne räkelte, nahm den Kopf, setzte diesen auf den kopflosen Menschen im erwähnten Sarg und - welch Überraschung - der Meister war von den Toten wieder auferstanden. Herr Humanarystew ließ sich von Alice Coopers Tochter mit Blut bespritzen, verliebte sich noch schnell in sie und schon war die Show vorbei.

Höhepunkt des Abends war übrigens der Auftritt von Deep Purple. Ein Konzert der Sonderklasse, solide, professionell, ohne vordergündiges Theater und mit sämtlichen ihrer Hits, welcher Smoke on the Water heißt. Besondere Erwähnung verdient der Gitarrist Steve Morse, welcher von der optischen Erscheinung her die Idealbesetzung für Richard Wagners Siegfried wäre, welcher jedoch ein Solo auf die Bühne zauberte, welches in meinen Lebenslauf als "best guitar solo ever heard" eingehen wird.

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Hinweis: Versäumen Sie nicht, sich das Geschehen auch aus weiblicher Sicht betrachten zu lassen. Weiblich = langatmig (wie wir Männer vorurteilsfrei wissen), weshalb Frau Idoru einen sehr lesenswerten Fortsetzungsroman geschrieben hat:

kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part I
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part II
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part III
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part IV
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part V (möglicherweise)
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part VI (nicht sicher)
kaffee, alice cooper & the tiger lillies - part VII (hoffentlich)

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Stimmt, ...
eigentlich würde mein Kommentar reichen ...
sokrates2005 - 12. Januar, 15:38

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