Montag, 7. April 2008

Beinahelynchung in 10'000 m Höhe

"Boarding nearly completed" ließ die nicht unhübsche Stewardess über die Boardkommunikationsanlage verlauten. "Nearly?" dachte ich im Zuge inneren Monologisierens. "Was zum Teufel will uns die denn mitteilen?" Sämtliche Passagiere hatten ihre Plätze eingenommen und waren vorschriftsgemäss vergurtet, Handys waren ihrer Strahlkraft beraubt, die verteilten Zeitungen verbreiteten ein heimeliges Rascheln und eigentlich hätte das Boardpersonal das nervige Filmchen mit den Sicherheitsmassnahmen abspielen können, die im Falle eines einem freien Falle folgenden Aufschlages am harten Gestein der Schweizer Alpen ohnehin hinfällig gewesen wären, weil das Aufsuchen der notausgangweisenden Sicherheitsstreifen am Kabinenboden am Vorhandensein überlebender Passagiere scheitern würde, doch stattdessen geschah: nichts.

Solange, bis dieses Nichts durch die Stimme des diensthabenden Piloten unterbrochen wurde, der es sich nicht nehmen ließ, seinen Passagieren folgende Worte eigenmundig kundzutun:

"Eigentlich wären wir abflugbereit, allerdings warten wir noch auf 2 Passagiere, die von den Kanaren kommend ein Stück des Weges mit Ihnen teilen wollen. Leider hat deren Maschine eine Verspätung, die zwar nicht im Verantwortungsbereich von Air Berlin, Fly Niki und sämtlichen angeschlossenen Partnergesellschaften liegt, trotzdem fühlen wir uns unserer Kundenfreundlichkeit verpflichtet und werden daher 35 Minuten warten."

Ein Murren ging durch das vollbesetzte Flugzeug. 178 entrüstete Fly Niki Ex-Kunden begannen in babylonischem Sprachgewirr zu krakeelen, wobei sich zwei Bevölkerungsgruppen besonders hervortaten: Einerseits durfte ich erstmals Schweizer ihre Contenance verlieren hören, andererseits versüßten mir die anwesenden Wiener die kurzzeitige Rückkehr in meine verlassene Heimat, indem sie in das typische Idiom der Vorstadtgosse verfielen und Phrasen wie "Heast, homs denan ins Hirn gschissn? Nua wegn de deppatn Ibiza-Schnepfn soi ma jetzt a hoibe Stund in unsan Saft schmorn? Na woat, den Scheiss Piefke-Piloten hau i glei nieda!" droschen, wohl übersehend, dass Ibiza gar nicht zur Inselgruppe der Kanaren zu zählen ist.

Nichtsdestotrotz schmorten wir in unserem Saft, als pünktlich nach einer halben Stunde Wartezeit, die von auf- und abschwellendem Murren und Maulen begleitet war, 2 gutgelaunte Touristen das Flugzeug betraten. Sämtliche Blicke richteten sich auf diese, eine Orgie der Beschimpfung setzte ein und unter Hintanhaltung physischer Beeinträchtigungen durch Wurfgeschosse aller Art zwängten die beiden sich auf die letzten beiden leeren Plätze, wo jene als Parier unter quarantäneähnlichen Umständen den Flug nach Wien mitverfolgen durften.

Nebstbei verlangte ein aus bundesdeutschen Landen stammender Businessman nach einem Kundenzufriedenheitsfragebogen, um Herrn Lauda Nikolaus, Chef der beflogenen Fluggesellschaft, seinen empörten Unmut verschriftlicht mitzuteilen.

Als die Stimmung an Board dank der verteilten Gratiserfrischungen eine erstaunliche Wende zum Positiven genommen hatte, meldete sich erneut der Pilot zu Wort: "... die Wetteraussichten für Wien: Bedeckt und windig, um die Null Grad, einsetzender Nieselregen kurz vor der Landung. Tja, leider ist es da nicht so schön wie auf Lanzarote - Sonnenschein und 24° Celsius."

Die Flugpassagiere entsannen sich der in den hinteren Reihen sitzenden Übeltäter. Das bereits erstarbte Murren brandete neu auf, und sämtliche Blicke töteten die braungebrannten Verursacher 178-fachen Leides. Schimpforgien brachen los, eine Lynchung schien in greifbarer Nähe. Nur einsetzende starke Turbulenzen konnten Schlimmeres verhindern, denen eine alsbaldige Landung und eine Entleerung des Fliegers folgte. Abgeschirmt dabei die Lanzarote-Urlauber, die anders als der aufgebrachte Mob in einem eigenen Taxi vom Rollfeld wegverfrachtet wurden.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Ist der Ruf erst ruiniert ...

"... lebt sich's völlig ungeniert", mag Frau E., die schon einmal durch die ihr eigene Bescheidenheit auffiel, sich gedacht haben, als ich jüngst mit ihr in einem Running-Sushi-Lokal zusammensitzend die Rechnung beglich, während jene versuchte, einen 78 cm hohen Stapel leergegessener Teller auszubalancieren.

"Den Rest" sagte sie nämlich zur mit einem asiatischstämmigen Migrationshintergrund ausgestatteten Bedienung, während sie mit dem gestreckten Zeigefinger der rechten Hand auf das vorbeiziehende doppelgeschossige Fliessband deutete, "packen Sie mir bitte in eine Alufolie ein."

Danach widmete sie sich einem mich in Abtransportbereitschaft versetzen sollenden Augenaufschlag, während ich über die Anmietung eines Pkw-Anhängers nachsonn ...

Dienstag, 15. Januar 2008

Stinkeschweinpoesie

Jüngst fuhr mit ihrem Einkaufswagen
Frau Grete durch den Supermarkt
als sie bemerkte wie ihr Magen
auf einmal sich verdrehte.

Nebst den Regalen mit Gewürz
erlitt sie einen Darminfarkt,
sodass geräuschvoll ein Gefürz
aus ihr zum Milchregal hin wehte.

Frau Grete suchte rasch das Weite,
was leider unerfolgreich war,
denn mittels ihrer Hinternbreite
blieb stecken sie beim Brotregal.

Der Duft, den sie zuvor verschuldet,
trieb weiter an die Fruchsaftbar,
wo jener ward nicht lang geduldet
denn stinken tat der infernal.

So schritt das Personal denn ein
um die Frau Grete inflagranti
zu schnappen, dieses Stinkeschwein
und sie des Ladens zu verweisen.

Frau Grete greinte fürchterlich,
denn statt zu kaufen Brot und Chianti
roch sie ganz einfach widerlich
und hatte nichts daheim zum speisen.

Donnerstag, 10. Januar 2008

Soziotopographische Erkenntnisse

Auf der Suche nach Befriedigung eines morgendlichen lukullischen Genusstriebes verschlug es mich neulich in eine profane McDonalds-Gaststätte. Dies in Begleitung von Frau R., von der auch der diesbezügliche Vorschlag stammte. Ich meinerseits hätte es nämlich - in einem Anfall intellektuell motivierter Political Correctness - vorgezogen, jeglichen imperialistisch-globalisierten Konzern zu boykottieren und deshalb mein Frühstück in einem Nordsee-Restaurant oder einer lokalen Shell-Tankstelle zu konsumieren.

Nichtsdestotrotz erstanden wir dort 2 unterschiedlich lautende, jedoch ident aussehende wie schmeckende Mahlzeiten und plazierten uns an einem der mit einer spülmittelschlierenschichtüberzogenen Tische. "En Guete mitenand", murmelte ich meine Multikulturalität hervorheben trachtend, was mit einem breiten "Moizeit" erwidert wurde.

Inmitten des daran anschliessenden Produktvertilgungs- und verwertungsprozesses ereilte mich aus dem Munde von Frau R. die nachfolgende soziologisch motivierte Analyse: "Das Publikum bei McDonalds ist an einem Samstag Morgen doch immer dasselbe." Sie zeigte mit einem ihrer zahlreichen Finger der Reihe nach auf die noch zahlreicher im Raum verteilten Tische und gab dabei das Untersuchungsergebnis ihrer empirischen Forschungen bekannt.

"Dieses besteht
(1) aus von ihren Partnerinnen getrennt lebenden Vätern, die ihre bei deren alleinerziehenden Müttern aufwachsenden Kinder dorthin ausführen wo diese am liebsten hingehen,
(2) aus jungen Päärchen, die
(2a) entweder über keine eigene Wohnung bzw.
(2b) zwar über eine eigene neue Wohnung jedoch noch über keine darin befindliche Küche verfügen,
(3) aus kleinen Mädchen in 2er-3er Gruppen, die ihr während der Woche angespartes Taschengeld auf den Putz hauen und
(4) aus schwulen Päärchen, über deren Motivation, diese Lokalkette zu besuchen ich keinerlei Auskünfte geben kann respektive möchte."

Ich staunte, blickte mich im Raum um und musste angesichts des anwesenden Gästepools anerkennend feststellen, dass jegliche Tischgruppierung einer der von Frau R. erstellten Kategorisierungen entsprach, ihre Systematik daher richtig erschien.

Da ich mich aus Höflichkeit Frau R. gegenüber nicht ausserhalb der Erkenntnisparameter ihrer Analysen begeben wollte, kategorisierte ich uns in Anbetracht eines doch feststellbaren intermenschlichen Altersunterschiedes in Gruppe (1), verschüttete den durch einen Trinkhalm hindurch genossenen Kaffee der Gattungsvariante "Gschlodder" und verschenkte die auf dem Kaffeebecher angebrachten Teilnahmemarken für ein Gewinnspiel des Hauses McDonalds an die auf dem Nachbartisch vor sich hinkichernden jungen Mädchen, was diese mit einem "Danke Opa" quittierten.

Wenig später verliessen wir die Lokalität, um jene sich selbst überlassend nicht dem Einfluss weiterer Beobachtungsstörgrössen unterliegen zu lassen, auf dass ein gesellschaftskritisches Kippen des in der Waage scheinenden Soziotopes hintangehalten werden gemochte.

Der Baron

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Sedierte
landen früher oder später auf meinem Tisch.
pathologe - 18. April, 14:22
Den
Herrn Bambi hab ich jetzt aber gar nicht gesehen. Ok,...
pathologe - 18. April, 14:21
Tja, so ist das nun mal...
Tja, so ist das nun mal im Leben ...
derbaron - 18. April, 10:34
Interessant wie sich...
Interessant wie sich so aus dem Nichts Gespräche...
et-shop - 18. April, 10:22
Angesichts dieses Argumentes...
Angesichts dieses Argumentes fehlen mir die Worte....
derbaron - 15. April, 09:30
Jaaa, aber ...
dafür ist die Bahn auch viel teurer! ;-)
sokrates2005 - 15. April, 09:03

Historisches

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Stand: 18. April, 14:22
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